Musikfestival Bern, 3.–7. September 2025, «Kette» Musikfestival Bern, 3.–7. 9. 2025, «Kette»

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Liebesrausch – Erinnern

1/1Foto: Lukas Beck

Eichendorff und Hölderlin in romantischen Liedern und Werken von Hans Zender und Luigi Nono mit dem Arditti Quartett und Angelika Luz, Sopran.

«Ich hör ein Hirschlein rauschen
Wohl rauschen durch den Wald,
Ich hör mein Lieb sich klagen,
Die Lieb verrauscht so bald.
Lass rauschen, Lieb, lass rauschen,
Ich weiss nicht, wie mir wird,
Die Bächlein immer rauschen,
Und keines sich verirrt.»

So dichtete Joseph von Eichendorff. Das romantische Rauschen darf natürlich bei uns nicht fehlen, gerade das naturhafte, freilich gefühlsgesättigte. Robert Schumann und Hugo Wolf haben es in ihren Liedern wunderbar umgesetzt.

Die im Wortklang noch liebliche Melan­cholie Eichendorffs wendet sich beim einst revolutionsbegeisterten Hölderlin in kantige Resignation. In seinen späten Gedichten ist nach rauschhafter Sprachgewalt nur noch ein Nachrauschen geblieben. Gerade diese Ambivalenz hat zahlreiche Komponisten unserer Gegenwart zu einer neuen Lektüre angeregt. Hans Zender versucht in seinem Memento Hölderlins Zeichen neu zu deuten. Bei Luigi Nono sind die Gedichte nur für die Interpreten in der Partitur lesbar, sie vermitteln sich allenfalls stumm in den Pausen: Erinnerungen, verrauscht, feinstens noch vernehmbar zwischen den Tönen. «…geheimere Welt», heisst es darin, «…Schatten stummes Reich…» und «…in stiller ewiger Klarheit…».
  • Programm
    • Luigi Nono (1924–1990) / Friedrich Hölderlin (1770–1843): «Fragmente – Stille» An Diotima für Streichquartett (1979/1980)
    • Robert Schumann (1810–1856) / Joseph von Eichendorff (1788–1857): «Schöne Fremde» / «Es rauschen die Wipfel», op. 39/6 (1840)
    • Hugo Wolf (1860–1903) / J. v. Eichendorff: «Verschwiegene Liebe» / «Über Wipfel und Saaten» (1886–1888)
    • Robert Schumann / J. v. Eichendorff: «In der Fremde» / «Ich hör die Bächlein rauschen», op. 39/8 (1840)
    • Hugo Wolf / J. v. Eichendorff: «Nachtzauber» / «Hörst du nicht die Quellen gehen» (1886–1888)
    • Robert Schumann / J. v. Eichendorff: «Frühlingsnacht» / «Über’n Garten durch die Lüfte», op. 39/12 (1840)
    • Hans Zender (*1936) / Friedrich Hölderlin: «Mnemosyne – Hölderlin lesen IV» für Frauenstimme und Streichquartett (2000/2001)
  • Besetzung
    • Arditti Quartett:
      • Irvine Arditti, Violine
      • Ashot Sarkissjan, Violine
      • Ralf Ehlers, Viola
      • Lucas Fels, Violoncello
    • Angelika Luz, Mezzosopran
    • Simon Bucher, Klavier
Dauer: 90 Minuten, mit Pause
Eine Veranstaltung von Musikfestival Bern in Kooperation mit Musikschule Konservatorium Bern.

Termine

Liebesrausch – Erinnern

15.09.2019 / 18:00 Uhr

Musikschule Konservatorium Bern