Musikfestival Bern, 3.–7. September 2025, «Kette» Musikfestival Bern, 3.–7. 9. 2025, «Kette»

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Wissenschaft IV: Nomad*innen
Sechs schwarze, dünne Linien auf weissem Hintergrund. Die Linien sind horizontal angeordnet und unterbrochen. Die Unterbrechungen sind mit schrägen, nach unten, nach oben und vertikal gerichteten Linien angeordnet, sodass mehrere Formen erkennbar sind. Die unterschiedliche Anordnung der Linien soll die Kompassnadeln darstellen.

 

Die letzten Nomad*innen in unserer Gesellschaft sind die Fahrenden, die Jenischen. Was macht ihr Leben aus? Wie wird es in der Musik spürbar?

Die Musik sei eine Vagantin, sagte mal jemand: Ständig unterwegs, etwas unstet, überall zuhause. Tatsächlich waren früher Barden und Spielleute immer auf Achse, Berufsnomaden, morgen bei dieser Hochzeit, morgen bei jener Bestattung. Am Hofe und im Dorfe. Und noch vor zwei, drei Generationen zog es die Musiker der Sinfonieorchester sommers in die Berge zu den Kurorchestern. Längst vorbei, obwohl die freie Szene auch heute noch so funktioniert.

Ohne fixen Wohnsitz (was Behörden seit jeher Schwierigkeiten bereitet) sind heute allenfalls die Jenischen, die Sinti und Roma. Und dort finden sich exzellente Musiker*innen. Joseph «Counousse» Mülhauser etwa, der Schwyzerörgelivirtuose, lebt im Wohnwagen. Mit seinem Quartett «Jenisch Blue» tritt er bei uns auf und erzählt aus seinem Leben. «Das Lebensgefühl, die Freude, die Sehnsucht der Fahrenden – wo wäre es besser spürbar als in der wunderbaren Musik?» schreibt die Band dazu. Die unterschiedlichsten Einflüsse mischen sich hinein.

Das Nomadentum bringt aber auch eine gewisse Schutzlosigkeit mit sich. Fahrende können bzw. konnten lange nicht von den gleichen Sicherheitsmechanismen profitieren wie sesshafte Menschen. Ja schlimmer noch: Sie wurden ausgenutzt und ausgebeutet, zum Beispiel für eugenische Experimente, wie die Schriftstellerin Melinda Nadj Abonji kürzlich in einem Artikel («Gesittete Grausamkeit») für die «Republik» dargelegt hat. Auch dieser Aspekt der Geschichte soll hier beleuchtet werden.
  • Programm
    • Jenisch Bluet:  «Musique du voyage»

      Joseph Mülhauser: «Neues Werk» (2024, UA)

  • Besetzung
      • Jenisch Bluet: 
        Joseph «Counousse» Mülhauser, Schwyzerörgeli
        Nina Ulli, Violine 
        Milos Kressig, Jazzgitarre
        Martin Mäder, Bass
        • Die Schriftstellerin Melinda Nadj Abonji im Gespräch
          Thomas Meyer, Moderation
  • Dauer: ca. 60 Minuten

    Eine Veranstaltung von Musikfestival Bern in Kooperation mit Schlachthaus Theater. Die Komposition von Joseph «Counousse» Mülhauser entstand im Auftrag des Musikfestival Bern.

    Termine

    Wissenschaft IV: Nomad*innen

    08.09.2024 / 12:30 Uhr

    Schlachthaus Theater Bern – Saal